Pseudowissenschaft

Je verrückter desto schöner

Was macht uns zum Menschen? Wir können sprechen, abstakt denken und aufrecht gehen. Vor allem aber können wir einander Geschichten erzählen. Die unglaublichste Geschichte ist die beste, ob wahr oder nicht.

Wissenschaftler zweifeln an den Geschichten der anderen. Sie lassen andere an ihrer Geschichte zweifeln, indem sie ihre Beobachtungen und wie es dazu gekommen ist, nach strengen Richtlinien publizieren. Viele Pseudowissenschaftler möchten richtige Wissenschaftler sein. Vieles, was sie publizieren, sieht tatsächlich wie Wissenschaft aus, ist es aber nicht, da sich die Publikation nicht der strengen Kontrolle durch andere unterordnet.

Wie kann man die beiden unterscheiden, ohne selber zum Experten werden zu müssen? Das ist schwierig, aber es gibt Hinweise. Wissenschaflter suchen nach Erklärungen, wogegen Pseudowissenschaftler sie schon haben. Sie wollen häufig ein Produkt oder eine Behandlung verkaufen, Wissenschaftler wollen forschen. Esoterische Erkenntnisse haben häufig eine praktische grosse Auswirkung auf unser tägliches Leben, das komplett über den Haufen geworfen wird. Wissenschaftliche Erkenntnisse befinden sich in Spähren, die erst in Jahren möglicherweise eine neue Erfindung ermöglichen.

Das sind kleine Unterschiede. Dahinter ist aber ein grundsätzlicher Unterschied der Vorgehensweise.

Ein paar einschlägige Beispiele für Pseudowissenschaft:

  • Lichtnahrung
    Es gibt Leute die behaupten, sie können ohne Nahrung und zum Teil sogar ohne Wasser leben. Sie ernähren sich stattdessen nur von Licht - oder "Prana", wie sie es nennen. Eigentlich weiss jeder, dass man ohne essen und trinken bald stirbt. Ein Film will uns aber vom Gegenteil überzeugen.

    Der Film: Am Anfang war das Licht von P. A. Straubinger, 2010
    Ein krtisches Interview mit dem Regisseur: "Da versagt die Wissenschaft"
    Ein kritischer Kommentar: Am Anfang war das Licht: Von Lichtnahrung, Quantenmystik und Zuschauermanipulation

    Die drei ausführlichsten Beispiele im Film:
    Jasmuheen (Ellen Greve)
    berichtet in ihren Büchern, dass nach sieben Tagen ohne Wasser und Nahrung und darauffolgenden 14 Tagen ohne Nahrung auf Lichtnahrung umstellen kann. Mindestens drei Leute kamen beim befolgen dieser Anleitung ums Leben. Jasmuheen selber musste den Versuch, der vom Fernsehsender CBSNews durchgeführt wurde, nach vier Tagen wegen Austrocknung abbrechen (CBSNews auf GoogleVideo, englisch).

    Michael Werner ist Chemiker sagte, dass er keine Nahrung zu sich nähme. Er liess dies im Inselspital Bern testen und die Resultate wurden publiziert (Artikel in Forschende Komplementärmedizin, englisch). Fazit des Artikels: Werner nahm in den zehn Tagen 2.6 kg ab, wurde schwach und seine Blutwerte entsprechen dem Zustand des Fastens (Energiereserven abbauen).

    Prahlad Jani, indischer Asket, behaupte während 65 Jahren weder Nahrung noch Wasser zu sich genommen zu haben. Ein indisches Ärzteteam beobachtete ihn im Sterling Hospital Ahmedabad (Indien) während zehn Tagen. Der Der Versuch wurde nicht wissenschaftlich publiziert. Ein online zugänglicher, etwas wirrer Bericht (englisch) des durchführenden Suhir Shah enhält keine Angabe über das Gewicht von Jani. Die darin beschriebenen Blutwerte deuten auf eine Austrocknung und Selbstvergiftung hin, die sich nach dem Versuch wieder normalisierten. Zusätzlich durfte der Mann während des Versuchs gurgeln und wird beim baden beobachtet.

    Kurzes Fazit aus Naturwissenschaftlicher Sicht:

    Jedes Lebewesen braucht sowohl Energie als auch Materie für seinen Stoffwechsel und Körperbau. Wir erhalten beides in Form von Molekülen, die einerseits die chemische Energie und andererseits die Materie liefern. Bei jedem Atemzug geht ein wenig der Materie in Form von Kohlendioxid und Wasser und ein wenig Energie in Form von Wärme verloren. Das muss irgendwo her kommen. Da Licht keine Materie ist, kann es schon daher nicht von Licht kommen.


    Heisst das, dass die drei lügen? Kann sein. Vielleicht täuschen sie sich auch selbst. Möglicherweise brauchen sie tatsächlich wenig, um zu überleben und vielleicht noch weniger, da sie eine Stress armes Leben führen. Aber ein bisschen essen und trinken müssen sie trotzdem.


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